Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05. Oktober 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                                 10/2020

                                                                                                 13. 09. 2020

Liebe Gläubige,

 

erlauben Sie mir, dieses Studienjahr mit unserer Königin und Mutter zu beginnen, denn wir haben letzte Woche kein geringes Fest gefeiert: den Geburtstag der allerseligsten Jungfrau.

 

Der Todestag – Festtag der Heiligen

Die Kirche feiert von kaum jemandem den Geburtstag. Bei den Heiligen wird vor allem der Todestag gefeiert. An diesem Tag sind die Märtyrer triumphierend in den Himmel eingezogen und empfingen ihren ewigen und himmlischen Lohn. An ihrem Todestag sind die Heiligen in gewisser Weise für den Himmel geboren worden, bei ihrer irdischen Geburt hingegen waren sie noch mit der Erbsünde befleckt, Sklaven des bösen Geistes und Kinder des göttlichen Zornes. Darum sollten auch wir mehr unseren Tauftag, als unseren Geburtstag wertschätzen, den Tag an dem wir von der Erbsünde befreit und Kinder Gottes geworden sind.

 

Mit heiligmachender Gnade geboren

Bei der unbefleckten Jungfrau hingegen feiert die Kirche auch die Geburt für die Erde, denn ihre Seele erstrahlte schon damals im Glanz der heiligmachenden Gnade. Noch nie wurde ein Menschenkind geboren, welches das göttliche Leben der Gnade schon in sich trug, bis zum Tag der Geburt unserer jungfräulichen Mutter. Vom Augenblick ihrer Empfängnis an ist sie nämlich unbefleckt, rein von jeglicher Sünde und voll der Gnade. Wenn jemals das Wort „Wunderkind“ angemessen war, so an der Wiege der unbefleckten Jungfrau.

 

Maria – die langersehnte Morgenröte

Petrus Damianus vergleicht deshalb die Geburt Unserer Lieben Frau mit der Morgenröte, denn sie hat die Mächte der Finsternis, welche Eva herbeigeführt, in die Flucht getrieben und die von allen Völkern ersehnte Sonne, nämlich Christus, hervorgebracht. Abt Rupertus schrieb: „Als du geboren wurdest, o seligste Jungfrau, ist uns die wahre Morgenröte aufgegangen, die Vorbotin des ewigen Tages; denn wie das Morgenrot das Ende der Nacht anzeigt und den Aufgang des Tages, so ist uns deine Geburt aus dem Geschlechte Abrahams, aus dem Stamme Davids das Ende der Schmerzen und der Anfang des Trostes, das Ende der Trauer und der Anfang der Freude.“

 

Die Dunkelheit des Heidentums

Wenn wir bedenken, welch dichte Finsternis die vorchristliche Welt bedeckte, so können wir ein wenig ermessen, wie schön jener Sonnenaufgang gewesen sein muss, als die allerseligste Jungfrau Maria geboren wurde. Die ganze Welt war in hässlichem Götzendienst und erdrückendem Aberglauben versunken. Irrtum und Lüge schienen unüberwindlich; alle Leidenschaften wurden ungezügelt ausgelebt, insbesondere Unzucht und Geldgier verführten zu unaussprechlicher Grausamkeit gegen die eigenen Kinder. Damals wurden den Dämonen Menschenopfer gebracht und selbst die Israeliten ließen sich nur schwer von solch schweren Verirrungen abhalten.

 

Der Sonnenaufgang der Christenheit

Wie anders wurde es, als sich das Christentum in den ersten Jahrhunderten verbreitete und mit der Kraft der Gnade und des Heiligen Geistes die Menschen zu tausenden eine heidnische Zügellosigkeit eintauschten gegen die strengen moralischen Forderungen unseres Herrn Jesus Christus. Dieses Licht, wie es damals zu strahlen begann, zeigte die katholische Kirche in erstaunlicher Erhabenheit und Schönheit, gleich dem Morgenrot der Sonne. Nicht umsonst ist die Muttergottes auch Vorbild der Kirche.

 

Der Hoffnung Trägerin

In diesen Zeiten, in welchen eine neuheidnische Gottlosigkeit immer weiter um sich greift und die zerstörerische Zügellosigkeit und der Materialismus immer mehr das Christliche aus unserer Kultur verschwinden lässt, braucht es einen neuen Sonnenaufgang der Gnade. Wir werden ihn auch heute nirgendwo sonst finden, als bei der allerseligsten Jungfrau, die uns in Fatima ihren besonderen Beistand versprochen hat, wenn wir uns nur an sie wenden durch die Sühneandacht zu ihrem Herzen und den heiligen Rosenkranz. Bitten wir darum, dass sich ihre milde Herrschaft rasch auszubreiten beginnt, vor allem in unseren Herzen, und dass ihre Herrschaft sich auf der ganzen Welt verbreiten wird bis zum Triumph ihres unbefleckten Herzens.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl