Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05. Oktober 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                                 16/2020

                                                                                                     05. 12. 2020

Liebe Gläubige,

 

in seinem Vortrag vom 15. November 1975 erklärte Erzbischof Lefebvre die bestürzenden Ähnlichkeiten des neuen Messritus mit den rituellen Neuerungen Luthers. Er kam zu dem Schluss, dass in beiden Fällen der Kult sich nicht mehr zuerst an Gott richtete als eine Huldigung, sondern an den Menschen, der fortan im Mittelpunkt steht. Aus dem höchsten Opfer wird eine „Liturgie des Wortes“, ein „Abendmahlsbericht“, eine „Teilung des Brotes“.

 

Verminderte Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten

Ganz ähnlich sank auch die Haltung der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten. Luther kam zu dem Schluss, die wirkliche Gegenwart Jesu Christi im allerheiligsten Altarsakrament, so wie sie von der katholischen Kirche gelehrt wird, müsse geleugnet werden. Für ihn blieb das Brot nur Brot. Als Folge wurde die heilige Kommunion in die Hand gegeben, den Gläubigen reichte man auch den Kelch.

Erzbischof Lefebvre äußerte hierzu: „Auch hier lässt sich eine befremdende Ähnlichkeit zwischen der heutigen Reform und jener Luthers feststellen. Alle neuen Genehmigungen hinsichtlich der Behandlung der Eucharistie gehen in die Richtung einer verminderten Ehrfurcht, eines Vergessens der geschuldeten Anbetung: die Handkommunion, die Austeilung der Kommunion durch Laien, sogar durch Frauen, die Reduzierung der Kniebeugungen, was viele Priester dazu gebracht hat, die Kniebeugung gänzlich zu unterlassen, die Verwendung gewöhnlichen Brotes, gewöhnlicher Gefäße. Alle diese Reformen tragen dazu bei, dass die wirkliche Gegenwart, wie sie die Kirche lehrt, geleugnet wird.“

 

Das Gesetz des Betens bestimmt das Gesetz des Glaubens

„Nachdem die Grundsätze des Glaubens immer auf das Innigste mit ihrer Betätigung verbunden sind gemäß dem bekannten Satz „lex orandi, lex credendi” (Das Gesetz des Betens bestimmt das Gesetz des Glaubens), muss folgerichtig geschlossen werden, dass jede Nachahmung der Reform Luthers in der Liturgie der Messe unweigerlich dazu führen muss, dass nach und nach auch die Ideen Luthers übernommen werden...

Die Folgen dieser Art des sogenannten ökumenischen Vorgehens sind katastrophal, zunächst auf dem Gebiet des Glaubens. Sie haben aber auch vor allem die Zerstörung des Priestertums zur Folge und dass die Berufungen zurückgegangen sind...

Die Auffassung der Protestanten hinsichtlich der für die Kirche lebenswichtigen und wesentlichen Lehre über Priestertum, Opfer und Eucharistie ist der Auffassung der katholischen Kirche gänzlich entgegengesetzt.“

 

Die Gefahr, den Glauben zu verlieren

„Es ist für die Katholiken psychologisch, seelsorglich und theologisch unmöglich, eine Liturgie, die für sie wahrhaft Ausdruck und Stütze ihres Glaubens ist, zu verlassen, um neue, von Irrlehrern ausgedachte Riten zu übernehmen, ohne dadurch ihren Glauben in die allergrößte Gefahr zu bringen. Man kann nicht auf unbestimmte Zeit die Protestanten nachahmen, ohne protestantisch zu werden.

Wie viele Gläubige, wie viele junge Priester, wie viele Bischöfe haben seit der Annahme dieser Reformen den Glauben verloren... Man wollte den Protestanten näherkommen, aber es waren nur die Katholiken, die protestantisch wurden, die Protestanten hingegen wurden nicht katholisch. Das ist offenkundig!“

 

Eine große Krise der Kirche

„Wir befinden uns in einer außerordentlichen Krise. Wir können diesen Reformen nicht Folge leisten. Wo sind die guten Früchte dieser Reform? ... Wir müssen kämpfen, uns einsetzen für die Aufrechterhaltung der Tradition und dürfen keine Angst haben. Wir müssen vor allem den Ritus unserer heiligen Messe aufrechterhalten, denn sie ist die Grundlage der Kirche und der christlichen Kultur. Wenn es in der Kirche keine wahre Messe mehr geben würde, würde die Kirche vom Erdboden verschwinden.

Wir müssen also diesen Ritus, dieses Opfer beibehalten. Alle unsere Kirchen wurden für diese Messe erbaut und nicht für eine andere Messe, für dieses Messopfer, nicht für ein Abendmahl...“

Am Ende seines Vortrages bat Erzbischof Lefebvre um das Gebet der Gläubigen für seine Seminaristen, damit sie wahre Priester werden, die den Glauben haben und das wahre Messopfer darbringen. Besonders hier am Seminar wollen wir Sie auch heute um dieses Gebet bitten.

 

Mit priesterlichem Segensgruß
P. Andreas Jeindl