Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05. Oktober 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                                 3/2021

                                                                                                   21. 02. 2021

Liebe Gläubige,

 

bei den Sakramentalien der Kirche genießt das Weihwasser ein ganz besonderes Ansehen. Es wird nicht nur am häufigsten verwendet, sondern sogar für die Segnung und Weihung von Gegenständen und Personen gebraucht. Das Rituale Romanum schreibt nach fast jeder Segnung vor, die Person oder den Gegenstand am Ende mit Weihwasser zu besprengen.

 

Die Kraft des Weihwassers

Die heilige Theresa von Avila, die große Lehrerin der Mystik, hält sehr viel vom Weihwasser, besonders als Waffe gegen dämonische Heimsuchungen. Sie schreibt: „Oftmals habe ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass es nichts gibt, was sie (die Teufel) eher in die Flucht treibt, um nie mehr wiederzukommen. Vor dem Kreuz fliehen sie zwar auch, kommen aber wieder zurück. Die Kraft des Weihwassers muss gewaltig sein... Das ist keine Einbildung, und auch nicht etwas, was mir nur einmal passiert wäre, sondern ganz oft, und was ich mit großer Aufmerksamkeit beobachtet habe.“ Nicht umsonst ist der Spruch entstanden für jemanden, der etwas überhaupt nicht ausstehen kann: „Er flieht es, wie der Teufel das Weihwasser.“

Aber auch gegen Versuchungen hilft dieses Sakramentale nach den Erfahrungen der heiligen Theresa. Es ist „wie wenn einer bei großer Hitze und halb verdurstet wäre und dann einen Krug kühlen Wassers trinken würde, so dass ihm vorkommt, die Erfrischung überall zu verspüren. Ich bedenke dann, wie großartig doch alles ist, was von der Kirche angeordnet ist und es freut mich sehr, zu sehen, dass jene Worte eine solche Kraft haben und diese dem Wasser verleihen, so dass der Unterschied mit dem ungeweihten so groß ist.“

 

Grund dieser Wirksamkeit

Die besondere Wirkung des Weihwassers liegt im Weihegebet der Kirche begründet. Es handelt sich um ein einzigartiges Beschwörungs- und Bittgebet. Ein eigenes exorzisiertes Salz wird in ein exorzisiertes Wasser gemischt im Namen der drei göttlichen Personen und in der Form des heiligen Kreuzes. Wasser und Salz werden zuerst beschworen, weil Satan, der über die Menschen gesiegt hat, indem er sie zur Sünde verführt hat, immer noch „Fürst dieser Welt“ ist und deshalb auch die materiellen Elemente in gewisser Weise seiner Herrschaft unterworfen sind. Aus einem ganz ähnlichen Grund werden beim überlieferten Taufritus auch Exorzismen über den Täufling gesprochen, auch wenn es sich noch um ein kleines Kind handelt, wird es in gewisser Weise wie in eine Sklaverei geboren. Auch wenn es persönlich keine Schuld dafür hat, muss das Kind dennoch von Christus von der Herrschaft des Teufels befreit werden. Gläubige Eltern ruhen deshalb nicht, bis ihr Kind getauft ist, nicht nur in der Sorge darüber, dass es unversehens sterben könnte und die Anschauung Gottes im Himmel entbehren müsste, sondern auch deshalb, weil sie nicht wollen, dass der verhasste Widersacher auch nur den geringsten Einfluss auf ihr Kind hat.

In der Beschwörung der Kirche wird seine Herrschaft jedoch durch die Macht Christi gebrochen. Bei einem so wichtigen Segen wie dem des Weihwassers möchte die Kirche somit sicher gehen, dass alle Elemente dafür von dem Einfluss der alten Schlange völlig befreit sind.

 

Das Weihegebet des Weihwassers

Wenn das Weihwasser dann gebraucht wird, wirkt es vor allem als besonders mächtige Bitte an Gott. Dennoch können wir nicht jede beliebige Wirkung erwarten, sondern müssen vor allem dem Segensgebet der Kirche entnehmen, auf welche Wirkungen wir uns vor allem verlassen können. Das Weihegebet lautet wie folgt:

„O Gott, du hast die größten Heilswerke für das Menschengeschlecht an die Natur des Wassers gebunden: Sei gnädig nahe unserm Flehen und senke in dieses Element, das für die verschiedensten Reinigungen bestimmt ist, die Kraft deines Segens, damit Dein Geschöpf im Dienste Deiner Geheimnisse die göttliche Gnadenkraft empfange, die bösen Geister zu vertreiben und Krankheiten fernzuhalten. Was immer in Haus und Wohnung der Gläubigen mit diesem Wasser besprengt wird, soll frei bleiben von Unreinheit und bewahrt werden vor Schaden. Der Hauch ansteckender Krankheit habe dort keinen Platz, keinen Platz verderbliche Luft. Fern sollen bleiben alle Nachstellung des heimtückischen Feindes. Was immer das Wohl oder die Ruhe der Bewohner gefährdet, soll weichen, wenn es mit diesem Wasser besprengt wird, damit das Wohlergehen, das wir durch die Anrufung deines heiligen Namens erflehen, von aller Anfechtung frei sei.“

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl