Der aktuelle Wochenbrief des Seminars

05 Oktober, 2019
Quelle: Seminary Zaitzkofen

                                                           17/2019

                                                                                             10. 11. 2019

Liebe Gläubige,

„So feiern wir Eucharistie!“ lautet der Titel eines der Faltblätter, das heute in katholischen Kirchen ausliegt, und im Folgenden wird erläutert, dass es sich bei der heiligen Messe ganz einfach um eine Danksagung handeln soll. Jesus zeige uns selbst, wie wir seinem Vater danken könnten.

 

Eine moderne Auffassung der heiligen Messe

Es wird behauptet, Eucharistie oder Messe sei eigentlich dasselbe und beschränke sich wesentlich auf die hl. Kommunion. Wir würden danksagen, indem wir lernen auf die Art zu lieben, wie es Jesus getan, und das erreichen wir ganz sicher und erstaunlich durch das Kommunizieren.

Die Ausführungen gehen sogar so weit, dass der Opfercharakter der hl. Messe direkt geleugnet wird. „In Wirklichkeit will Gott nicht, dass die Menschen mit vermeintlichen Gaben oder Opfern versuchen, besondere göttliche Gnade zu erlangen.“

 

Protestantische Irrtümer

Bei diesen Ausführungen ergibt sich kein Unterschied mehr zwischen der katholischen hl. Messe und einer protestantischen Abendmahlfeier.

Aus dem auferstandenen Leib Christi wird ein unwirklicher gemacht und aus diesem ein Symbol der Liebe in der heiligen Eucharistie. Aus der hl. Messe wird eine bloße Geste der Danksagung, für die ein geweihter Priester eigentlich völlig überflüssig ist.

Bei einer solchen Auffassung verwundert es nicht, dass Wortgottesdienste einer heiligen Messe oft vorgezogen werden und kein Verständnis mehr für das Priestertum unseres Herrn besteht, erst recht nicht für die Notwendigkeit des Zölibats.

 

Die Sonne des Christentums

Doch auch wenn wir daran festhalten, dass die hl. Messe die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers Jesu Christi ist, so geschieht es nicht selten, dass wir kleinen Kindern gleichen, die einen Edelstein besitzen, aber sich gar nicht darüber im Klaren sind, wie wertvoll er ist. Es geht um die Sonne des Christentums. Der hl. Pater Pio tat den Ausspruch: „Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen als ohne Messopfer“. Wenn wir bedenken, wie unverzichtbar die Sonne für unser irdisches Leben ist, so bekommen wir eine leise Ahnung, wie unverzichtbar für uns die heilige Messe ist und sein muss.

 

Bloße Anwesenheit genügt nicht

Es handelt sich hier aber um etwas, zu dem wir nur geistiger Weise Zugang erhalten können. So wie man Gott nur im Geist und in der Wahrheit anbeten kann, ebenso erhält man nur durch geistige Tätigkeit Zugang zum Geheimnis der heiligen Messe. Die körperliche Anwesenheit genügt dafür nicht. Es sollte uns nicht wundern, dass das christliche Leben stirbt und zugrunde geht, wenn wir keinen Zugang, kein Verständnis suchen und kaum etwas von dem Heiligen erfassen wollen, das auf dem Altar geschieht.

Es handelt sich hier selbst für die meisten Gläubigen um einen verborgenen Schatz, den viel zu wenige wirklich kennen. Der heilige Leonhard von Porto Maurizio schreibt: „O wüssten alle, um welch eine Perle des himmlischen Paradieses es sich da handelt, es fände sich auf Erden kein einziger Mensch, der nicht gerne alles, was er besitzt dafür hingäbe.“

 

Ein wahres Sühnopfer

Das Konzil von Trient verteidigte den Opfercharakter der heiligen Messe und verurteilte jene, die behaupten, „das Messopfer sei nur ein Lob- und Dankopfer oder ein bloßes Gedächtnis…nicht aber ein Sühnopfer.“ Es bestimmte außerdem, dass die Messe nicht in der Landessprache gefeiert werden soll, sondern ihre Geheimnisse dem Volke erklärt werden sollen. Die Konzilsväter hätten damals wohl nie daran gedacht, dass man jemals in katholischen Kirchen genau jene Irrtümer verbreiten würde, die sie damals so klar verurteilten. Uns aber soll es ein Anliegen sein, nicht nur jene Irrtümer zurückzuweisen, sondern auch in das Geheimnis der heiligen Messe immer tiefer einzudringen, um diesen Schatz der Gnade für unser Heil zu nützen und niemals zu verlieren.

 

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl