Der aktuelle Wochenbrief (Nr. 3)

04. Februar 2023
Quelle: fsspx.news

Liebe Gläubige,

nachdem im ersten Kanongebet zuerst für die katholische Kirche im Allgemeinen gebetet wurde, folgt das Gebet einer bestimmten Ordnung und bittet zunächst für das sichtbare Oberhaupt der Kirche, den Papst, dann für den Bischof der Diözese, zuletzt für alle Gläubigen.

Die Ordnung im ersten Kanongebet

Alleine der Aufbau dieses Gebetes spiegelt eine Grundhaltung wider, die im katholischen Glauben tief verankert ist: die Ordnung der Hierarchie in der Kirche.

Gott spielt die Hauptrolle, nicht die Gemeinde

Dazu erklärt Erzbischof Lefebvre: „Die Messe hat eine hierarchische Ordnung, deshalb wendet sich der Priester Gott und dem Kruzifix zu und nicht der Gemeinde. Sich der Gemeinde zuzuwenden, ließe den Eindruck entstehen, dass sie es sei, die die Hauptrolle beim Messopfer oder bei der Kommunion spielt. Aber das ist ein Irrtum, denn es ist nicht die Gemeinde, die zählt, sondern Gott, dem das Opfer dargebracht wird. Das, was zählt, ist das Kreuzesopfer, ist unser Herr Jesus Christus; deshalb wendet sich der Priester zum Kreuz und zu Gott hin.

Der Hirte schreitet voran

Er bringt das Opfer Gott dar, mit den Gläubigen hinter sich, denn der Hirte schreitet seiner Herde voran, um sie zu unserem Herrn Jesus Christus, zu Gott und zum Himmel zu führen. Es gibt also beim Messopfer eine Hierarchie. Es ist keine kollegiale Messe, es gibt keine Kollegialität in der Kirche.

...zusammen mit deinem Diener, unseren Papst

In der Messe spricht man nicht davon, dass man das Opfer in Verbindung mit dem Bischofskollegium darbringt. Zu Beginn des Kanons erwähnt der Priester, dass er das Messopfer darbringt mit dem, der das Amt des Papstes ausübt, und mit dem, der das Amt des Bischofs ausübt.

Ob er es gut macht oder schlecht, ist eine andere Sache; es ist der liebe Gott, der ihn richten wird.“ Auf diese Weise erklärt Erzbischof Lefebvre die vorgeschriebenen Gebete im Kanon der Messe. Das Gebet für den Papst und Bischof ist keine Zustimmung zu allen ihren Taten, sondern ein Bekenntnis zur gottgegebenen hierarchischen Struktur der Kirche. Eine Ordnung, die gerade in der heutigen Zeit auf den Kopf gestellt wird, mit verheerenden Folgen.

Ein Zeichen der Trennung

Tatsächlich war es in der Kirchengeschichte kein gutes Zeichen, wenn ein Priester in der Messe für den Papst und den Bischof seiner Diözese nicht mehr beten wollte.

Als im 5. Jh. ein Priester in Konstantinopel die heilige Messe feierte, unterließ er es mit Absicht, im ersten Kanongebet für das Oberhaupt der Kirche, den Papst in Rom zu beten. Er wollte mit der Kirche im Westen nichts mehr zu tun haben und suchte damals schon die Kirche zu spalten und die Gläubigen im Osten von ihr zu trennen.

Doch die Gläubigen zu jener Zeit ließen sich das nicht gefallen. Es gab eine ungeheure Erregung und zu seinem Staunen sah sich der Priester bald dazu gezwungen, den Namen des Papstes in den Gebeten der heiligen Messe wieder zu nennen. Die Gläubigen sahen in dieser Auslassung ganz zu Recht einen Angriff auf die Einheit und den Glauben der Kirche. Leider waren sie ein paar Jahrhunderte später nicht mehr so stark und ließen sich aufhetzen und zu einem Schisma verführen.

Alle Rechtgläubigen

Zuletzt werden im Gebet auch die Gläubigen genannt, und zwar nicht nur irgendwelche oder einige Familien, sondern die ganze Gemeinschaft der Gläubigen.

Erzbischof Lefebvre erklärt dazu: „Denn die ganze Gemeinschaft muss beim Kreuzesopfer vertreten sein: die Könige, die Fürsten, die Behörden, das Militär, Gewerbe und Berufe: Alle müssen sich mit unserem Herrn Jesus Christus vereinen, weil er der alleinige Weg ist, um in den Himmel zu gelangen.

Das ist es, was die Gesellschaft heiligt, und deshalb befindet sich die Kirche im Zentrum des Dorfes und unserer Städte und repräsentiert das Haus Gottes, in dem die ganze christliche Bevölkerung sich versammelt, um in den Himmel aufzusteigen. All das hat eine wunderbare Bedeutung; das ist der Sinn des wahren Messopfers.“

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Andreas Jeindl